Samstag, 3. November 2012
Und da bin ich wieder...
markushusen, 16:09h
Hallo meine lieben Mitfiebernden und Mitfiebernde,
nach langer Wartezeit melde ich mich nun wieder aus der russischen Föderation mit den aktuellsten Neuigkeiten.
Ich hatte die unglaublich tolle Möglichkeit am 21. Oktober mit dem Zug eine zweitägige Reise nach Saratow anzutreten, da ich mich dort mit einem pensionierten Priester aus Dresden getroffen habe. Er arbeitet in der katholischen Kirchengemeinde in Saratow, die auch gleichzeitig Bischofssitz des geschätzten Bischofs Pickel des Bistums Saratow ist. Saratow ist eine etwas kleinere Stadt als Wolgograd mit etwa 850.000 Einwohnern etwa 400km nördlich von Wolgograd. Also für russische Verhältnisse gleich um die Ecke. So viel zu den Rahmenbedingungen.
Das hieß also für mich: Ich musste eine Karte kaufen und eine gut 6 Stündige Fahrt mit einem russischen Zug in einem Schlafwagon hinter mich bringen, damit ich in Saratow am Bahnhof von einem polnischen Priester aus derselben Kirchengemeinde abgeholt werden kann. Ich schickte also im Vorfeld ein Foto von mir und die genaue Ankunftszeit und Wagonnummer nach Saratow und hoffte das Beste. Als ich endlich das Zugticket mit der umsichtigen Hilfe von Ruslan in der Hand halten durfte war ich schon mal sehr glücklich. Die Reise sollte für mich am Sonntag um 9.00 beginnen. Ruslan brachte mich also zum Zug und zu meinem mir zugeteilten Sitzplatz. Wobei man in diesem Fall eher Liegeplatz sagen müsste. Ein russischer Schlafwagon besteht aus mehreren Liegeflächen, die auf zwei Ebenen Aufgeteilt sind. Steht man im Mittelgang so hat man zu seiner rechten eine untere Ebene und eine obere Ebene an Liegeflächen parallel zur Fahrrichtung. Zur linken befinden sich die Liegeflächen senkrecht zur Fahrtrichtung auch auf zwei Ebenen. Zwischen jeweils zwei unteren Liegeflächen gibt es die Möglichkeit die Liegeflächen als Sitzplatz zu nutzen und einen kleinen Tisch dazwischen herzurichten. Meine Karte war besonders günstig, daher befand sich mein Platz auf der linken Seite ganz oben. Als ich es dann bis auf die Pritsche geschafft hatte befand sich etwa einen Meter über mir nochmal eine Pritsche, die aber als Ablagefläche für Gepäck genutzt werden konnte. Die Zugfahrt war also echt ein Abendteuer wert und so unbequem es manchmal auch war, sich sechs Stunden lang auf 2 m³ aufzuhalten, hab ich es doch sehr genossen. Ich hatte einen wunderbaren Blick aus dem Fenster, den ich mit meiner Kamera festgehalten hab. Er war nämlich zu fast jedem Zeitpunkt der gleiche. Ich sah Wiesen, Wälder, Strommasten und manchmal die ein oder andere Straße. Ich konnte in die scheinbar unendliche Weite des russischen Landes blicken. Da fühlte ich mich schon gleich gar nicht mehr so eingeengt. Und das schlafen war dort auch sehr gut möglich ;).

Vor Ort wurde ich von dem polnischen Priester abgeholt und ins Pfarrhaus gebracht, wo sich auch meine Unterkunft befand. Am Abend hatte ich die Gelegenheit die Stadt ein wenig auf eigene Faust zu erkunden, da sich etwa 400m von dem Pfarrhaus und der Kirche entfernt das Ufer der Wolga befand mit seinen wunderschönen Fußwegen und einem tollen Ausblick.


Was mir in Saratow noch stärker aufgefallen ist als in Wolgograd, ist die teilweise sehr große Schere zwischen Armut und Reichtum. Das folgende Bild hab ich aus dem Küchenfenster des recht neuen Pfarrhauses gemacht.

Am Abend hab ich mich mit dem Dresdner Priester unterhalten bevor der Tag für mich zu Ende ging. Am anderen Morgen war ein deutscher Berufsschullehrer zu besuch, der zurzeit in Marx (etwa 80 Km entfernt) eine Heizung in eine neue Kirche installiert. Mit ihm hab ich ein interessantes Gespräch geführt, da er nur 30 km von meiner Heimat in Deutschland entfernt wohnt. Anschließend bin ich vom Hausmeister wieder zum Bahnhof gebracht worden. Dieses Mal begann das Abenteuer der russischen Zugfahrt schon mit dem Kauf der Karte: Der Zug fuhr in 20 Minuten und die Schlange vor uns an der Kasse wurde nicht kürzer. Immer wieder ging die Kassiererin wieder vom Schalter weg und telefonierte oder trank Kaffee. Der Hausmeister und ich wurden immer nervöser, bis er plötzlich los rannte und mich hinter sich her zog. Plötzlich waren wir beim Zug angekommen, der mich nach Wolgograd zurück bringen sollte, der Hausmeister sprach kurz mit der Schaffnerin, die die Fahrkarten an der Tür des Wagons kontrollierte und schleuste mich hinein. Ich wusste überhaupt nicht wie mir geschah. Als während der Fahrt die Schaffnerin an meinem Platz vorbei kam, versuchte ich ihr zu erzählen, dass ich es aus zeitlichen Gründen nicht mehr geschafft hätte eine Karte zu kaufen. Darauf gab sie mir zu verstehen, dass das gar kein Problem sei und stelle mir eine aus, was mich sehr erleichterte. Also Zugfahren in Russland muss man gemacht haben wenn man dort ist.
Am darauffolgenden Wochenende begann es in Wolgograd langsam kälter zu werden und Ruslan plante mit mir einen Ausflug zu einem der größten Märkte in der Umgebung, um mich winterfest einzukleiden. Wir fuhren am Morgen mit der Straßenbahn los und kauften gute, mit Fell gefütterte Lederhandschuhe, dicke Socken, dicke Filseinlagen für die Schuhe und eine typische, traditionelle, russische Mütze. Eine sog. Schapka-Uschanka. Seit etwa zwei Tagen haben wir hier Minustemperaturen und seitdem laufe ich mit dieser Mütze herum. Da es für russische Verhältnisse jedoch längs noch nicht kalt ist, bin ich leider der Einzige. Somit identifiziert mich die Mütze eindeutig als mehr oder weniger eigenwilligen Touristen. Aber mir gefällt die Mütze sehr.

Seit letztem Freitag darf ich auch wieder einem meiner Hobbys nachgehen. Ich singe in dem Kirchenchor unserer Kirchengemeinde mit. Eigentlich war ich nur zufällig bei der Probe dabei, da die Gründung eines deutsch-russischen Chores für den Weihnachtsmarkt geplant war. Jedoch fehlten die Deutschen. Ok, kein Problem, ich hab gedacht: „Die kommen bestimmt noch…“ und hab bei den russischen Mitgliedern des Chores mitgesungen. Und es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Weil auch die Lieder sehr langsam sind - ich also sehr gut mitlesen kann - und weil wir eine sehr engagierte Dirigentin haben.
Ein weiteres Highlight war am vergangenen Sonntag das Leuten der Kirchenglocken. In unserer Kirche müssen die drei Glocken noch über Seile von der Empore aus bedient werden, wie man es vielleicht aus Heimatfilmen der 50er Jahre kennt. Ich wurde von Elia, dem Organisator aus dem Kinderzentrum, gefragt ob ich Lust hätte die kleinste Glocke zu Leuten. Ich hab gar nicht gedacht dass es so schwierig sein kann, zunächst die Glocken in Bewegung zu bringen und vor allen Dingen die drei Glocken synchron wieder zu stoppen. Auf jeden Fall werde ich das jetzt öfter machen, weil ich es sehr beeindruckend finde.
Des Weiteren habe seit dem 29.10. mein Studium an der Technischen Universität aufgenommen. Ich studiere mit 8 in etwa gleichaltrigen Studentin und Studentinnen zusammen, die nach diesem Studium an der Uni Ingenieurwesen studieren möchten, da das russische Studium eine höhere Qualität bietet als das Studium in ihren Heimatländern. Später wollen sie mit dem Studium in der Heimat arbeiten. Die Studenten kommen aus Afghanistan, Indonesien, Tschad und Jordanien. Die Pausen verbringe ich meistens mit den afghanischen Studenten. Alle sind sie unglaublich gastfreundlich und erzählen viel von zu Hause. Wir treffen uns oft und tauschen uns über unsere Heimatländer und unsere Familien etc. aus.
So meine geschätzten Leserinnen und Leser, das wars für diese Woche von mir. Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit und für die netten Kommentare.
Euer Markus
nach langer Wartezeit melde ich mich nun wieder aus der russischen Föderation mit den aktuellsten Neuigkeiten.
Ich hatte die unglaublich tolle Möglichkeit am 21. Oktober mit dem Zug eine zweitägige Reise nach Saratow anzutreten, da ich mich dort mit einem pensionierten Priester aus Dresden getroffen habe. Er arbeitet in der katholischen Kirchengemeinde in Saratow, die auch gleichzeitig Bischofssitz des geschätzten Bischofs Pickel des Bistums Saratow ist. Saratow ist eine etwas kleinere Stadt als Wolgograd mit etwa 850.000 Einwohnern etwa 400km nördlich von Wolgograd. Also für russische Verhältnisse gleich um die Ecke. So viel zu den Rahmenbedingungen.
Das hieß also für mich: Ich musste eine Karte kaufen und eine gut 6 Stündige Fahrt mit einem russischen Zug in einem Schlafwagon hinter mich bringen, damit ich in Saratow am Bahnhof von einem polnischen Priester aus derselben Kirchengemeinde abgeholt werden kann. Ich schickte also im Vorfeld ein Foto von mir und die genaue Ankunftszeit und Wagonnummer nach Saratow und hoffte das Beste. Als ich endlich das Zugticket mit der umsichtigen Hilfe von Ruslan in der Hand halten durfte war ich schon mal sehr glücklich. Die Reise sollte für mich am Sonntag um 9.00 beginnen. Ruslan brachte mich also zum Zug und zu meinem mir zugeteilten Sitzplatz. Wobei man in diesem Fall eher Liegeplatz sagen müsste. Ein russischer Schlafwagon besteht aus mehreren Liegeflächen, die auf zwei Ebenen Aufgeteilt sind. Steht man im Mittelgang so hat man zu seiner rechten eine untere Ebene und eine obere Ebene an Liegeflächen parallel zur Fahrrichtung. Zur linken befinden sich die Liegeflächen senkrecht zur Fahrtrichtung auch auf zwei Ebenen. Zwischen jeweils zwei unteren Liegeflächen gibt es die Möglichkeit die Liegeflächen als Sitzplatz zu nutzen und einen kleinen Tisch dazwischen herzurichten. Meine Karte war besonders günstig, daher befand sich mein Platz auf der linken Seite ganz oben. Als ich es dann bis auf die Pritsche geschafft hatte befand sich etwa einen Meter über mir nochmal eine Pritsche, die aber als Ablagefläche für Gepäck genutzt werden konnte. Die Zugfahrt war also echt ein Abendteuer wert und so unbequem es manchmal auch war, sich sechs Stunden lang auf 2 m³ aufzuhalten, hab ich es doch sehr genossen. Ich hatte einen wunderbaren Blick aus dem Fenster, den ich mit meiner Kamera festgehalten hab. Er war nämlich zu fast jedem Zeitpunkt der gleiche. Ich sah Wiesen, Wälder, Strommasten und manchmal die ein oder andere Straße. Ich konnte in die scheinbar unendliche Weite des russischen Landes blicken. Da fühlte ich mich schon gleich gar nicht mehr so eingeengt. Und das schlafen war dort auch sehr gut möglich ;).

Vor Ort wurde ich von dem polnischen Priester abgeholt und ins Pfarrhaus gebracht, wo sich auch meine Unterkunft befand. Am Abend hatte ich die Gelegenheit die Stadt ein wenig auf eigene Faust zu erkunden, da sich etwa 400m von dem Pfarrhaus und der Kirche entfernt das Ufer der Wolga befand mit seinen wunderschönen Fußwegen und einem tollen Ausblick.


Was mir in Saratow noch stärker aufgefallen ist als in Wolgograd, ist die teilweise sehr große Schere zwischen Armut und Reichtum. Das folgende Bild hab ich aus dem Küchenfenster des recht neuen Pfarrhauses gemacht.

Am Abend hab ich mich mit dem Dresdner Priester unterhalten bevor der Tag für mich zu Ende ging. Am anderen Morgen war ein deutscher Berufsschullehrer zu besuch, der zurzeit in Marx (etwa 80 Km entfernt) eine Heizung in eine neue Kirche installiert. Mit ihm hab ich ein interessantes Gespräch geführt, da er nur 30 km von meiner Heimat in Deutschland entfernt wohnt. Anschließend bin ich vom Hausmeister wieder zum Bahnhof gebracht worden. Dieses Mal begann das Abenteuer der russischen Zugfahrt schon mit dem Kauf der Karte: Der Zug fuhr in 20 Minuten und die Schlange vor uns an der Kasse wurde nicht kürzer. Immer wieder ging die Kassiererin wieder vom Schalter weg und telefonierte oder trank Kaffee. Der Hausmeister und ich wurden immer nervöser, bis er plötzlich los rannte und mich hinter sich her zog. Plötzlich waren wir beim Zug angekommen, der mich nach Wolgograd zurück bringen sollte, der Hausmeister sprach kurz mit der Schaffnerin, die die Fahrkarten an der Tür des Wagons kontrollierte und schleuste mich hinein. Ich wusste überhaupt nicht wie mir geschah. Als während der Fahrt die Schaffnerin an meinem Platz vorbei kam, versuchte ich ihr zu erzählen, dass ich es aus zeitlichen Gründen nicht mehr geschafft hätte eine Karte zu kaufen. Darauf gab sie mir zu verstehen, dass das gar kein Problem sei und stelle mir eine aus, was mich sehr erleichterte. Also Zugfahren in Russland muss man gemacht haben wenn man dort ist.
Am darauffolgenden Wochenende begann es in Wolgograd langsam kälter zu werden und Ruslan plante mit mir einen Ausflug zu einem der größten Märkte in der Umgebung, um mich winterfest einzukleiden. Wir fuhren am Morgen mit der Straßenbahn los und kauften gute, mit Fell gefütterte Lederhandschuhe, dicke Socken, dicke Filseinlagen für die Schuhe und eine typische, traditionelle, russische Mütze. Eine sog. Schapka-Uschanka. Seit etwa zwei Tagen haben wir hier Minustemperaturen und seitdem laufe ich mit dieser Mütze herum. Da es für russische Verhältnisse jedoch längs noch nicht kalt ist, bin ich leider der Einzige. Somit identifiziert mich die Mütze eindeutig als mehr oder weniger eigenwilligen Touristen. Aber mir gefällt die Mütze sehr.

Seit letztem Freitag darf ich auch wieder einem meiner Hobbys nachgehen. Ich singe in dem Kirchenchor unserer Kirchengemeinde mit. Eigentlich war ich nur zufällig bei der Probe dabei, da die Gründung eines deutsch-russischen Chores für den Weihnachtsmarkt geplant war. Jedoch fehlten die Deutschen. Ok, kein Problem, ich hab gedacht: „Die kommen bestimmt noch…“ und hab bei den russischen Mitgliedern des Chores mitgesungen. Und es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Weil auch die Lieder sehr langsam sind - ich also sehr gut mitlesen kann - und weil wir eine sehr engagierte Dirigentin haben.
Ein weiteres Highlight war am vergangenen Sonntag das Leuten der Kirchenglocken. In unserer Kirche müssen die drei Glocken noch über Seile von der Empore aus bedient werden, wie man es vielleicht aus Heimatfilmen der 50er Jahre kennt. Ich wurde von Elia, dem Organisator aus dem Kinderzentrum, gefragt ob ich Lust hätte die kleinste Glocke zu Leuten. Ich hab gar nicht gedacht dass es so schwierig sein kann, zunächst die Glocken in Bewegung zu bringen und vor allen Dingen die drei Glocken synchron wieder zu stoppen. Auf jeden Fall werde ich das jetzt öfter machen, weil ich es sehr beeindruckend finde.
Des Weiteren habe seit dem 29.10. mein Studium an der Technischen Universität aufgenommen. Ich studiere mit 8 in etwa gleichaltrigen Studentin und Studentinnen zusammen, die nach diesem Studium an der Uni Ingenieurwesen studieren möchten, da das russische Studium eine höhere Qualität bietet als das Studium in ihren Heimatländern. Später wollen sie mit dem Studium in der Heimat arbeiten. Die Studenten kommen aus Afghanistan, Indonesien, Tschad und Jordanien. Die Pausen verbringe ich meistens mit den afghanischen Studenten. Alle sind sie unglaublich gastfreundlich und erzählen viel von zu Hause. Wir treffen uns oft und tauschen uns über unsere Heimatländer und unsere Familien etc. aus.
So meine geschätzten Leserinnen und Leser, das wars für diese Woche von mir. Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit und für die netten Kommentare.
Euer Markus
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Mittwoch, 19. September 2012
Ein herzliches moin moin an meine Leser in den heimischen Landen,
markushusen, 17:24h
ja dies mal hat es etwas länger gedauert, bis der neue Beitrag den Bolg erreicht hat, denn meine letzte Woche, besonders das Wochenende war sehr erlebnisreich. Ich habe beispielsweise mit Russlan am Sonntag die sogenannte Mutter-Heimat-Statue und die umliegenden Gedenkstetten des zweiten Weltkrieges, besonders der verheerenden Schlacht bei Stalingrad, besucht. Die Mutter-Heimat-Statue auf dem Mamajew-Hügel im südrussischen Wolgograd (bis 1961 Stalingrad) ist eine Statue, die von der Sowjetunion zum Gedenken an den Sieg der sowjetischen Streitkräfte im Großen Vaterländischen Krieg errichtet wurde. Diese Statue ist nur minimal kleiner als die Freiheitsstatue in New York. Es war also hochinteressant zu sehen, in welcher Form die Russischen Bürger ihrer gefallenen Landsleute gedenken. Auf dem Weg zur Statue gibt es einen Treppenaufgang, der seitlich mit Darstellungen aus der Schlacht gerahmt ist. Während man die Treppe hinaufläuft sind Tonaufzeichnungen aus der Schlacht zu hören. Also Schüsse, Stimmen, Motorengeräusche. Es ist auf jeden Fall sehr beeindrucken und unbedingt ein Besuch wert, wenn man in Russland sein sollte.
Auf dem zweiten Foto, das ich hinzugefügt habe, sieht man mich und Russlan im sogenannten Saal des Soldatenruhmes. Dies ist ein rundes Gebäude, dass von Soldaten bewacht wird, in dem ein ewiges Feuer zum Zeichen des Gedenkens brennt. An der Innenwand dieses Gebäudes sind eine Auswahl an gefallenen russischen Soldaten namentlich auf Tafeln verewigt worden.
Das zweite große Erlebnis in dieser Woche war eine deutsche Messe (bzw. Wortgottesdienst) in unserer katholischen Kirche St. Nikolai gegenüber von dem Kinderzentrum in dem ich arbeite. Dort sollte ich mich als Deutscher in Wolgograd auch kurz vorstellen und erzählen was ich mache und wie ich dazu komme. Mehr wusste ich vor der Messe dann auch nicht. Es stellte sich allerdings um 16.00 Uhr heraus, dass plötzlich eine Reisegruppe, bestehend aus drei Bussen voller Menschen, die das mittlere Alter durchaus eher mehr als weniger überschritten hatten, vor der Kirche hielten und nun mit ihrem eigens mitgebrachten Priester einen Wortgottesdienst feiern wollten. Die Menschen kamen aus ganz Deutschland hierher und ich erfuhr sogar, dass einigen mein kleines Heimatdörfchen im Norden Deutschlands ein Begriff war ;). Da die Kirche aufgrund ihres Wiederaufbaus nach dem Ende des Kalten Krieges natürlich sehr geschichtsträchtig ist und nicht zuletzt weil sich dort eine Kopie der Stalingrad-Madonna befindet, die 1942 vom gefangenen evangelischen Theologen und Arzt Dr. Kurt Reuber gemalt wurde, war ein Besuch auf dem Weg durch Russland naheliegend. Die Stalingrad Madonna enthält den Schriftzug "Licht - Leben - Liebe - 1942 Weihnachten im Kessel" und ist heute ein Symbol für die Versöhnung zwischen Deutschland und Russland. Den Wortgottesdienst selber fand ich sehr bewegend, da es hauptsächlich um das Gemälde ging. Es wurden auch Briefe verlesen, die vom Maler aus der Gefangenschaft an seine Frau geschrieben wurden, in denen er die damalige Situation schildert.
Ich hab mich also nach dem WoGoDi kurz vorstellt und erzählt wo ich arbeite und was ich dort mache und habe damit scheinbar einen großen Eindruck bei den Besuchern hinterlassen. Denn nachdem ich mit einigen von ihnen ins Gespräch gekommen war, durfte ich sogar einige üppige Spenden für das Obdachlosen Projekt von Marco und für das Kinderheim entgegennehmen. Falls jemand aus den Reihen der Besucher diesen Beitrag liest, möchte ich nochmal herzlich dafür danken. Sowohl Marco als auch die Verantwortlichen im Kinderzentrum haben sich sehr gefreut.
Ansonsten ist noch zu sagen, dass mir die Arbeit mit den Kindern sehr viel Spaß macht. Im Gegensatz zu den Erwachsenen kann ich mich mit den Kindern mit meinem Russisch schon fast gut verständigen ;). Auch wenn die Arbeit nicht immer einfach ist und die Schicksale einiger Kinder niemandem zu wünschen sind, glaube ich für mich, dass ich sehr viel aus dieser Arbeit mitnehmen werde und meine Erfahrungen in der Zeit nach diesem Jahr in Deutschland helfend einsetzen kann.
So meine lieben Leser, jetzt habt ihr also wieder einen kleinen Einblick in meine Arbeit bekommen.
Ich freue mich über jeden Kommentar zum Geschriebenen und auch über Grüße freue ich mich immer sehr.
Bis zum nächsten Mal
euer Markus


Auf dem zweiten Foto, das ich hinzugefügt habe, sieht man mich und Russlan im sogenannten Saal des Soldatenruhmes. Dies ist ein rundes Gebäude, dass von Soldaten bewacht wird, in dem ein ewiges Feuer zum Zeichen des Gedenkens brennt. An der Innenwand dieses Gebäudes sind eine Auswahl an gefallenen russischen Soldaten namentlich auf Tafeln verewigt worden.
Das zweite große Erlebnis in dieser Woche war eine deutsche Messe (bzw. Wortgottesdienst) in unserer katholischen Kirche St. Nikolai gegenüber von dem Kinderzentrum in dem ich arbeite. Dort sollte ich mich als Deutscher in Wolgograd auch kurz vorstellen und erzählen was ich mache und wie ich dazu komme. Mehr wusste ich vor der Messe dann auch nicht. Es stellte sich allerdings um 16.00 Uhr heraus, dass plötzlich eine Reisegruppe, bestehend aus drei Bussen voller Menschen, die das mittlere Alter durchaus eher mehr als weniger überschritten hatten, vor der Kirche hielten und nun mit ihrem eigens mitgebrachten Priester einen Wortgottesdienst feiern wollten. Die Menschen kamen aus ganz Deutschland hierher und ich erfuhr sogar, dass einigen mein kleines Heimatdörfchen im Norden Deutschlands ein Begriff war ;). Da die Kirche aufgrund ihres Wiederaufbaus nach dem Ende des Kalten Krieges natürlich sehr geschichtsträchtig ist und nicht zuletzt weil sich dort eine Kopie der Stalingrad-Madonna befindet, die 1942 vom gefangenen evangelischen Theologen und Arzt Dr. Kurt Reuber gemalt wurde, war ein Besuch auf dem Weg durch Russland naheliegend. Die Stalingrad Madonna enthält den Schriftzug "Licht - Leben - Liebe - 1942 Weihnachten im Kessel" und ist heute ein Symbol für die Versöhnung zwischen Deutschland und Russland. Den Wortgottesdienst selber fand ich sehr bewegend, da es hauptsächlich um das Gemälde ging. Es wurden auch Briefe verlesen, die vom Maler aus der Gefangenschaft an seine Frau geschrieben wurden, in denen er die damalige Situation schildert.
Ich hab mich also nach dem WoGoDi kurz vorstellt und erzählt wo ich arbeite und was ich dort mache und habe damit scheinbar einen großen Eindruck bei den Besuchern hinterlassen. Denn nachdem ich mit einigen von ihnen ins Gespräch gekommen war, durfte ich sogar einige üppige Spenden für das Obdachlosen Projekt von Marco und für das Kinderheim entgegennehmen. Falls jemand aus den Reihen der Besucher diesen Beitrag liest, möchte ich nochmal herzlich dafür danken. Sowohl Marco als auch die Verantwortlichen im Kinderzentrum haben sich sehr gefreut.
Ansonsten ist noch zu sagen, dass mir die Arbeit mit den Kindern sehr viel Spaß macht. Im Gegensatz zu den Erwachsenen kann ich mich mit den Kindern mit meinem Russisch schon fast gut verständigen ;). Auch wenn die Arbeit nicht immer einfach ist und die Schicksale einiger Kinder niemandem zu wünschen sind, glaube ich für mich, dass ich sehr viel aus dieser Arbeit mitnehmen werde und meine Erfahrungen in der Zeit nach diesem Jahr in Deutschland helfend einsetzen kann.
So meine lieben Leser, jetzt habt ihr also wieder einen kleinen Einblick in meine Arbeit bekommen.
Ich freue mich über jeden Kommentar zum Geschriebenen und auch über Grüße freue ich mich immer sehr.
Bis zum nächsten Mal
euer Markus


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Mittwoch, 12. September 2012
Ein kleiner Nachtrag
markushusen, 11:04h

Um eine kleine Vorstellung von den Menschen zu haben mit denen ich zusammen wohne hier ein kleines Gruppenfoto.
(von links nach rechts)
Meine Wenigkeit, Andre (ein guter Freund von Marco), Emanuel (auch ein guter Freund von Marco, der aber heute Morgen abgereist ist), Marco und Russlan.
Bis zum nächsten Mal
euer Markus
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